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Solana-Validatoren verkaufen MEV-Zugang: Was Firmen wissen müssen

CryptaCount Editorial · · 6 Min. Lesezeit
MARKTSTRUKTUR Solana-Validatoren verkaufenMEV-Zugang: Was Firmen wissen müssen

Am 16. September 2026 veröffentlichte Vorwürfe von Protos besagen, dass bestimmte Solana-Validatoren den Zugang zu Pre-Execution-Transaktionsdaten verkaufen, mit Gebühren ab etwa 1.000 US-Dollar pro Monat, die für Premium-Stufen bis zu 4.000 US-Dollar pro Monat erreichen. Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten, bedeutet dies, dass quantitative Trader mit dem entsprechenden Abonnement den Retail-Orderflow sehen und darauf reagieren können, bevor diese Orders on-chain abgewickelt werden. Für Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, Auditoren und CFOs, die Solana-Positionen verwalten, reichen die Auswirkungen von der Ausführungsqualität und der Fair-Value-Bewertung bis hin zur Verlässlichkeit der On-Chain-Aufzeichnungen, die Krypto-Buchhaltungssoftware und Audit-Trails zugrunde liegen.

Solana-Validatoren verkaufen MEV-Zugang: Was Firmen wissen müssen

Was die Vorwürfe tatsächlich besagen

Die Behauptungen stammen von Andrei Vacariu von Corvus Labs, der angibt, Zahlungen nachverfolgt zu haben, die über eine Revenue-Sharing-Wallet fließen, die mit einem Produkt namens Blockspace verbunden ist, das in Verbindung mit Everstake, einem großen Solana-Validator, betrieben wird. Everstake wird nicht als einzelner Node beschrieben, sondern als ein Zusammenschluss von Validatoren, die gemeinsam mehr als eine Million SOL an delegiertem Stake halten, wobei rund 7,4 Millionen SOL der breiteren Everstake-Gruppierung zugerechnet werden.

Wie das mutmaßliche Schema funktioniert

Vacarius Darstellung beschreibt eine gestufte kommerzielle Vereinbarung. Validatoren werden angeblich mit Angeboten von mehr als 10 SOL pro Monat zur Teilnahme aufgefordert. Abonnierende Quants zahlen Berichten zufolge 4.000 US-Dollar pro Monat für einen privaten Datenfeed ausstehender Transaktionen, bevor ein Block konstruiert wird. Dieser Feed, so der Vorwurf, ermöglicht es Abonnenten, ihre eigenen Transaktionen vor oder unmittelbar nach eingehenden Retail-Orders einzufügen und dabei Preisunterschiede abzuschöpfen, die Retail-Trader weder sehen noch vermeiden können.

Zu den namentlich genannten Validatoren, die angeblich Zahlungen aus der Revenue-Sharing-Wallet von Blockspace erhalten haben, gehören Prostaking, RockawayX, Staking Facilities und Stake.org. Staking Facilities soll seit Juli mehr als 950 SOL an solchen Zahlungen erhalten haben, während Prostaking im gleichen Zeitraum angeblich mehr als 200 SOL erhielt. Die Verbindung von Everstake zum ehemaligen Gründungs-Geschäftsführer von Grayscale, David Kinitsky, wird im ursprünglichen Bericht ebenfalls erwähnt.

Everstakes Antwort

Everstake bestritt, Front-Running oder Sandwich-Angriffe zu fördern. Das Unternehmen erklärte, es setze Filtermechanismen ein, die speziell darauf ausgelegt seien, diese Art von Aktivität zu verhindern. Diese Bestreitung ist aktenkundig, und keine Aufsichtsbehörde hat zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Berichts eine formelle Feststellung getroffen. Die Vorwürfe sind daher umstritten, und Unternehmen sollten sie als eine sich entwickelnde Situation und nicht als erwiesene Tatsache behandeln.

Warum Solanas Architektur dies möglich macht

Die meisten Blockchains verwenden einen öffentlichen Mempool, eine gemeinsame Warteschlange, in der unbestätigte Transaktionen liegen und für jeden sichtbar sind, bevor sie von einem Blockproduzenten aufgenommen werden. Öffentliche Mempools schaffen ihre eigenen MEV-Probleme, aber die Informationen sind zumindest symmetrisch verfügbar. Solana hat eine andere Designentscheidung getroffen: Die meisten Transaktionen werden direkt an den Validator geleitet, der den nächsten Block erstellen soll, unter Umgehung jeder öffentlichen Warteschlange. Die Absicht war, das Zeitfenster, in dem MEV extrahiert werden kann, zu begrenzen.

Von öffentlicher zu privater Informationsasymmetrie

Was die Solana-Architektur laut Vacarius Analyse bewirkt zu haben scheint, ist eine Verlagerung der Informationsasymmetrie vom offenen Markt auf eine private kommerzielle Ebene. Da nur der eingeplante Validator den eingehenden Orderflow sieht, verfügt dieser Validator über einen einzigartig wertvollen Datensatz. Die Monetarisierung über einen kostenpflichtigen Abonnementdienst schafft einen Informationsvorteil, der für Retail-Teilnehmer konstruktionsbedingt unsichtbar ist. Wie Vacariu es ausdrückte: Jeder Trader auf Solana trifft auf diese Slots, kann nicht erkennen, welche Validatoren seinen Traffic spiegeln, und kann sich nicht abmelden.

Everstakes stake-gewichtete Quality-of-Service-Stufe, eine legitime Funktion des Solana-Protokolls, die Validatoren mit höherem Stake eine vorrangige Transaktionsverarbeitung gewährt, ist angeblich der Mechanismus, über den der hochpreisige Service von Blockspace bereitgestellt wird. Das kommerzielle Produkt ist auf eine Funktion auf Protokollebene aufgesetzt, was Teil dessen ist, was die regulatorische Einordnung kompliziert macht.

Marktstruktur und regulatorischer Kontext

Maximal Extractable Value ist kein neues Konzept. Es wurde auf Ethereum und anderen Chains umfassend dokumentiert, und Aufsichtsbehörden in mehreren Jurisdiktionen haben begonnen, bestimmte MEV-Strategien als marktmanipulationsrelevant einzustufen. Was die Solana-Vorwürfe unterscheidet, ist die explizite kommerzielle Verpackung: ein Abonnementprodukt, eine Revenue-Sharing-Wallet und die aktive Anwerbung zusätzlicher Validatoren zur Ausweitung des Angebots.

Wo regulatorische Grenzen verlaufen könnten

Keine globale Aufsichtsbehörde hat bis September 2026 eine spezifische Entscheidung zu von Validatoren verkauften MEV-Abonnements erlassen. Mehrere bestehende Rahmenwerke sind jedoch potenziell relevant. In den Vereinigten Staaten hat die CFTC die Zuständigkeit für Warenderivate und hat Bereitschaft signalisiert, Manipulationsfälle in digitalen Vermögensmärkten zu verfolgen. Die laufende Regelsetzung der SEC, insbesondere im Kontext tokenisierter Wertpapiere, hat Best-Execution- und Fair-Access-Prinzipien berührt. In der EU behandelt MiCA On-Chain-MEV nicht ausdrücklich, aber Marktmissbrauchsvorschriften im breiteren EU-Finanzregulierungsrahmen könnten Anwendung finden, wenn Token als Finanzinstrumente qualifizieren. In Großbritannien tätige Unternehmen sollten beachten, dass das Marktmissbrauchsregime der FCA je nach Instrument und Kontext auf Krypto-Vermögensmärkte ausgeweitet werden kann. Für Hintergrundinformationen dazu, wie Aufsichtsbehörden ihre Durchsetzungsreichweite in digitalen Vermögensmärkten ausweiten, lesen Sie unsere Analyse zu SEC- und CFTC-Regelsetzungsprioritäten nach dem Stillstand des CLARITY Act.

Die zentrale ungelöste Frage ist, ob der Verkauf eines Datenfeeds, der Front-Running ermöglicht, eine Form der Marktmanipulation darstellt oder ob es sich lediglich um die kommerzielle Verwertung von Informationen handelt, die ein Validator berechtigt ist zu halten. Diese Unterscheidung wird wahrscheinlich in Durchsetzungsmaßnahmen getestet, bevor sie in der Regelsetzung geklärt wird.

Rechnungslegungs- und Audit-Implikationen für Unternehmen

Für Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und CFOs, die digitale Vermögensportfolios mit Solana-Exposure verwalten, werfen die Vorwürfe eine Reihe praktischer Fragen auf, die jetzt und nicht erst nach einer regulatorischen Entscheidung geprüft werden sollten.

Integrität der Fair-Value-Bewertung

Wenn Ausführungspreise auf Solana durch informierten Orderflow beeinflusst werden, den Retail- und institutionelle Teilnehmer weder sehen noch vermeiden können, dann spiegeln die in On-Chain-Transaktionsprotokollen aufgezeichneten Preise möglicherweise nicht die tatsächlichen Marktpreise wider. Nach IFRS 13 ist der Fair Value der Preis, der in einer geordneten Transaktion zwischen Marktteilnehmern erzielt würde. Ein Markt, in dem bestimmte Teilnehmer einen strukturellen Informationsvorteil haben, auf den andere keinen Zugriff haben, ist zumindest argumentierbar nicht geordnet im Sinne der Norm. Auditoren, die Solana-basierte Bewertungen digitaler Vermögenswerte abzeichnen, sollten ihre Fair-Value-Methodik dokumentieren und prüfen, ob die Offenlegung der Marktstruktur angemessen ist.

Verlässlichkeit der Transaktionsaufzeichnungen

Eines der Kernversprechen der On-Chain-Buchhaltung ist, dass Blockchain-Transaktionsaufzeichnungen unveränderlich und unabhängig überprüfbar sind. Die Solana-Vorwürfe stellen diese Unveränderlichkeit nicht in Frage: Die tatsächlich abgewickelten Transaktionen werden getreu aufgezeichnet. Was sie in Frage stellen, ist, ob der abgewickelte Preis den Preis widerspiegelt, der ohne die behauptete Manipulation eingetreten wäre. Für Unternehmen, die Krypto-Buchhaltungssoftware nutzen, um Solana-Transaktionsdaten direkt in ihre Bücher zu übernehmen, ist dies ebenso eine Datenqualitätsfrage wie eine rechtliche.

Best-Execution- und Treuhandüberlegungen

Vermögensverwalter und Prime Broker, die Kundenorders über Solana-basierte Protokolle leiten, haben in den meisten regulierten Jurisdiktionen Best-Execution-Pflichten. Sollte sich herausstellen, dass bestimmte Validatoren den Retail-Orderflow systematisch benachteiligen, könnten Unternehmen, die nach Kenntnis des Risikos weiterhin über diese Validatoren geleitet haben, Fragen dahingehend gegenübersehen, ob sie ihrer Pflicht nachgekommen sind. Der praktische Schritt in diesem Stadium ist, die durchgeführte Due-Diligence-Prüfung und die Grundlage, auf der die Routing-Entscheidung aufrechterhalten oder geändert wurde, zu dokumentieren. Für eine parallele Situation, in der Marktintegritätsbedenken zu Durchsetzungsmaßnahmen führten, lesen Sie unsere Berichterstattung darüber, wie die Insiderhandelsvorwürfe gegen Robinhood die Integritätsrisiken des Krypto-Marktes beleuchten.

Staking-Erträge und die Validator-Beziehung

Unternehmen, die SOL an einen der in den Vorwürfen genannten Validatoren delegiert haben, erhalten Staking-Belohnungen von diesen Validatoren. Die buchhalterische Behandlung von Staking-Belohnungen ist bereits ein aktives Diskussionsthema, aber die Vorwürfe werfen eine sekundäre Frage auf: Wenn ein Teil der Einnahmen eines Validators aus dem Verkauf von MEV-Zugang stammt und diese Einnahmen in Form höherer Renditen an Delegatoren zurückfließen, hat die Quelle der Rendite dann buchhalterische oder offenlegungsrelevante Konsequenzen? Derzeit hat sich kein Standardsetzer spezifisch damit befasst. Unternehmen sollten dies als Offenlegungsrisiko kennzeichnen und die regulatorischen Entwicklungen beobachten.

Solana-Validatoren verkaufen MEV-Zugang: Was Firmen wissen müssen

Praktische Schritte für Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und CFOs

Die Vorwürfe sind umstritten, und es wurde keine Durchsetzungsmaßnahme angekündigt. Dennoch ist die umsichtige Reaktion, nicht auf eine regulatorische Feststellung zu warten, bevor gehandelt wird. Die folgenden Schritte sind dem aktuellen Informationsstand angemessen.

Solana-Exposure und Validator-Beziehungen überprüfen

Identifizieren Sie, welche Solana-Validatoren delegierten Stake von Kunden- oder Firmenkonten halten. Gleichen Sie diese mit den im Protos-Bericht genannten Validatoren ab. Dokumentieren Sie die Prüfung. Wenn ein genannter Validator betroffen ist, erwägen Sie, ob eine Offenlegung oder Umdelegierung angemessen ist, und halten Sie die Begründung in jedem Fall fest.

Fair-Value-Methodik bewerten

Bewerten Sie für jeden Solana-basierten Vermögenswert, der anhand von On-Chain-Preisreferenzen bewertet wird, ob die Anmerkungen zur Bewertungsmethodik angemessen auf das Marktstrukturrisiko eingehen. Dies erfordert keine Neudarstellung früherer Bewertungen, aber prospektive Offenlegungen sollten aktualisiert werden, wenn die Marktstrukturbedenken für die Bewertung wesentlich sind.

Datenprüfungen der Krypto-Buchhaltungssoftware aktualisieren

Unternehmen, die sich auf automatisierte Feeds von Solana für Transaktionsdaten verlassen, sollten sicherstellen, dass ihre Krypto-Buchhaltungssoftware eine Datenqualitätsebene enthält, die anomale Ausführungspreise kennzeichnen kann. Eine Transaktion, die zu einem Preis abgewickelt wurde, der deutlich schlechter ist als der vorherrschende Mid-Market-Preis zum Zeitpunkt der Ausführung, kann ein Indikator für Sandwich-Aktivität sein und sollte im Audit-Trail überprüfbar sein.

Regulatorische Ergebnisse beobachten

Achten Sie auf Erklärungen der CFTC, SEC oder relevanter EU- und UK-Behörden zu MEV und Validator-Verhalten. Die MiCA-Umsetzungsleitlinien in der EU entwickeln sich noch, und diese Art von Marktstrukturvorwurf könnte spezifische Bestimmungen zu fairem Zugang und Marktmissbrauch in dezentralisierten Umgebungen beschleunigen.

Source: Protos

Häufig gestellte Fragen

Was ist MEV und warum ist es für die Rechnungslegung relevant?

Maximal Extractable Value bezeichnet den Gewinn, den ein Blockproduzent durch Umsortieren, Einfügen oder Zensieren von Transaktionen innerhalb eines Blocks erzielen kann. Für Rechnungslegungszwecke ist es relevant, weil MEV-Aktivitäten den Ausführungspreis eines Handels beeinflussen können, was bedeutet, dass der on-chain aufgezeichnete Preis vom fairen Marktpreis abweichen kann, der in einem nicht manipulierten Markt gelten würde. Dies hat Auswirkungen auf IFRS 13 Fair-Value-Bewertungen und auf jede Prüfung von digitalen Vermögenspositionen, die auf betroffenen Chains ausgeführt werden.

Sind Staking-Belohnungen von genannten Validatoren belastet?

Keine Aufsichtsbehörde hat zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Berichts eine Feststellung dazu getroffen, und die Vorwürfe werden von Everstake bestritten. Unternehmen, die SOL an genannte Validatoren delegiert haben, sollten jedoch eine Überprüfung der Situation dokumentieren und erwägen, ob zusätzliche Angaben im Jahresabschluss erforderlich sind, insbesondere wenn die Validator-Beziehung wesentlich ist.

Bietet Solanas Design ohne Mempool institutionellen Tradern irgendeinen Schutz?

Das Design sollte MEV reduzieren, indem begrenzt wird, wer ausstehende Transaktionen sehen kann. Die aktuellen Vorwürfe legen nahe, dass es stattdessen den MEV-Zugang privatisiert und nicht beseitigt hat. Institutionelle Trader, die erheblichen Orderflow über Solana leiten, sollten ihre Ausführungsvereinbarungen überprüfen und erwägen, ob die Routing-Logik sie Validatoren aussetzt, die private Datenfeeds betreiben.

Wie sollte Krypto-Buchhaltungssoftware mit potenziell manipulierten Ausführungspreisen umgehen?

Die Software selbst zeichnet den abgewickelten Transaktionspreis auf, was sachlich korrekt ist. Das buchhalterische Urteil liegt darin, ob dieser Preis ein angemessener Fair-Value-Input ist. Unternehmen sollten ihre Prüfprozesse so konfigurieren, dass wesentliche Abweichungen zwischen abgewickelten Preisen und zeitgleichen Mid-Market-Preisen gekennzeichnet werden, und das Ergebnis dieser Prüfungen als Teil des Audit-Trails dokumentieren.

Was sollten Unternehmen tun, wenn nie eine Durchsetzungsmaßnahme ergriffen wird?

Das Fehlen von Durchsetzungsmaßnahmen beseitigt das Marktstrukturrisiko nicht. Unternehmen sollten die Dokumentation ihrer Überprüfung unabhängig vom regulatorischen Ergebnis aufrechterhalten, ihre Due-Diligence-Rahmenwerke für die Validator-Auswahl aktualisieren und das Solana-Marktstrukturrisiko in regelmäßige Offenlegungen aufnehmen, wenn das Exposure wesentlich ist. Best-Execution- und Treuhandpflichten hängen nicht von einer regulatorischen Feststellung ab: Sie gelten ab dem Moment, in dem ein Unternehmen von einem wesentlichen Risiko Kenntnis erlangt.

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